Titel-Beleg Heft 182
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Das Titelfoto
zeigt ein Streifband, das in Essen am 5. April (Verwendungsjahr
nicht eindeutig bestimmbar) zur Post gegeben worden ist. Gerichtet
ist dieses Streifband an „Seiner Wohlgeboren Herrn Rektor Ludewig“
in Eisenberg. Schon bei der Bestimmung des Empfängerortes beginnen
die ersten Probleme, diesen Beleg korrekt einzuordnen. Diesen Namen
Eisenberg tragen laut Ritter´s geographischem Lexikon, Ausgabe 1874,
17 Ortsgemeinschaften. Das Streifband weist nur den Namen Eisenberg
und keine weitere Zusatzbestimmung auf. Rückschlüsse auf den
Bestimmungsort lassen aber einige andere, dem Streifband hinzugefügte
Stempel bzw. handschriftliche Vermerke zu. Rückseitig auf dem
Streifband befinden sich die Streckenstempel DEUTZ-MINDEN und
MAGDEBURG-LEIPZIG. Das lässt den Rückschluss zu, dass das gesuchte
Eisenberg mit großer Wahrscheinlichkeit in Sachsen liegt. Der
vorderseitig angebrachte handschriftliche Vermerk des Empfängers „3
Pfg. Porto“ unterstützt die These, dass der Empfängerort in
Sachsen liegt. Dieser handschriftliche Vermerk des Empfängers
bezieht sich wohl darauf, dass er 3 Pfg. Bestellgeld bezahlt hat. Die
Zustellung innerhalb des Gebietes der preußischen Postverwaltung
hätte 6 Pfg. Gebühr erfordert.
Gemäß dem
Deutsch-Österreichischem Postvertrag vom 6. April 1850, in
Kraft gesetzt am 1.7.1850, betrug die Beförderungsgebühr für ein
Streifband innerhalb dieses Postvereins 4 Pfg. bzw. 1 Kreuzer pro
Loth, wenn lediglich Adresse, Datum und Unterschrift von Hand
geschrieben war und das Porto im Voraus bei Aufgabe der Sendung
entrichtet wurde. Hier ergibt sich nun ein weiteres Problem. Die
preußische Postverwaltung hat eine 4-Pfg.-Freimarke erst im Juni
1856 an die Schalter gebracht. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten solche
Streifbänder in das Postvereinsgebiet entweder zwangsweise
überfrankiert oder am Schalter aufgegeben und dort die
Beförderungsgebühr in Bargeld beglichen werden.
Das vorliegende
Streifband ist mit einer ½-Groschen-Freimarke, Michel-Nr. 1,
freigemacht worden. Die Freimarke wurde ordnungsgemäß mit dem
„Vernichtungsstempel“, der die Nr. 396 trägt, entwertet.
Danebengesetzt wurde der Ortsaufgabestempel von Essen, das zu diesem
Zeitpunkt als Postamt II. Klasse fungierte.
Eine konkrete
Zuordnung zu einem bestimmten Verwendungsjahr ist nicht möglich,
eine Einschränkung auf einen bestimmten Zeitraum jedoch
nachvollziehbar. Die ½-Sgr.-Freimarke kam im November 1850 an die
Schalter, ab Juni 1856 war die 4-Pfg-Freimarke in Gebrauch.
Irgendwann dazwischen wird dieses Streifband verwendet worden sein.
Eine weitere Einschränkung dieser möglichen Verwendungszeit ist
auch bedingt noch möglich. Das Streifband weist keine rote
Austaxierung auf; auf eine solche wurde in der Regel ab Herbst 1851
verzichtet. Außerdem weist das Streifband rückseitig zwei
Streckenstempel auf; auch darauf wurde ab Ende 1853 in der Regel
verzichtet. Dementsprechend kann die Verwendungszeit dieses
Streifbandes mit einiger Gewissheit auf den Zeitraum von 1852 bis
1853 eingegrenzt werden.